Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast

Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast

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00:00:04: Ein Podcast für Menschen, die glauben, neu denken.

00:00:08: Und

00:00:08: manchmal alles anzweifeln.

00:00:18: Herzlich willkommen, ihr Lieben zu einer weiteren Folge von Ausgeglaubt.

00:00:25: Die zweite Folge im Jahr und ich spreche heute mit Stefan über das Thema Neujahrsvorsätze.

00:00:37: Es ist, glaube ich, noch nicht zu spät, das zum Thema zu machen.

00:00:41: Und wir fanden, das wäre spannend, über diese Frage zu sprechen.

00:00:48: Wer will ich eigentlich sein?

00:00:49: Was bringt uns dazu jedes Jahr uns Vorsätze?

00:00:54: zu fassen.

00:00:55: Andere haben es vielleicht schon längst aufgegeben, aber es ist immer noch verbreitet Anfang des Jahres Sport.

00:01:04: zu Sport zu machen, die Fitnessstudios zu bevölkern, weniger Zucker zu essen, weniger Alkohol zu trinken, einen trockenen Januar einzulegen, wie man so schön sagt.

00:01:17: Oder der, wie heißt der noch mal, Stefan, der Veganuary oder so?

00:01:21: Vegan, im Januar kein Fleisch zu essen, den ökologischen Fußabdruck zu senken, mehr Achtsamkeit zu üben, mehr Zeit mit der Familie oder seinen Hobbys zu verbringen.

00:01:33: Christlicherseits könnte man auch sagen, endlich mal die Bibel in einem Jahr durchzulesen, regelmäßig Gebetzeiten abzuhalten oder Meditation zu üben oder was auch immer.

00:01:47: Was diesen Vorsätzen gemeinsam ist, dass sie sehr oft relativ bald scheitern.

00:01:55: Schon im Februar lehren sich die Fitnessstudios wieder und wir wollen ein bisschen der Frage nachgehen.

00:02:01: Warum ist das eigentlich so?

00:02:03: Warum stolpern wir über unsere Vorsätze?

00:02:06: Was bringt uns immer wieder dazu, sie trotzdem zu fassen?

00:02:10: Und was hat das auch mit Glaube und Evangelium zu tun?

00:02:14: und inwiefern könnte vielleicht der Glaube oder das Evangelium eine gute Alternative sein oder einen anderen Weg aufzeigen, an seinem Leben zu arbeiten oder sich zu verändern.

00:02:31: ohne sich ständig vergebliche Ziele zu setzen.

00:02:35: Also, das wäre so die Schneise, in der wir uns bewegen wollen.

00:02:40: Wir, das bin ich, Manuel Schmid, ich bin reformierter Theologe, arbeite bei der EKS, der Evangelisch reformierten Kirche, Schweiz im Bereich Theologie und Ethik und ich rede seit vielen Jahren jede Woche in diesem Podcast mit dem wunderbaren Stefan.

00:03:01: Stefan, wer bist du denn?

00:03:04: Ich bin Stefan Jüti, bin auch Theologe.

00:03:06: Wir arbeiten gemeinsam bei der EKS, sich an der Schnittstelle von Kirche Gesellschaft, vielleicht auch Kultur- und Politikthemen.

00:03:15: Und mich interessieren besonders Fragen, wie Glaube heute praktisch wird, was das Evangelium für uns heute bedeuten soll.

00:03:24: Also nicht so sehr, was es einmal gemeint hat, sondern was davon wichtig bleibt.

00:03:28: So hat unser Podcast auch mal angefangen, dass wir gesagt haben über das, was ich nicht mehr glaube und das, was wichtig bleibt, wollen wir sprechen.

00:03:37: Und in meinem Job als Komm-Chef der EKA ist, habe ich ständig mit solchen Fragen zu tun.

00:03:42: Hier im Podcast probiere ich meine eigenen Thesen aus und spreche über das, was mich gerade persönlich interessiert, was mich beschäftigt und woran ich glaube oder woran ich verzweifle.

00:03:53: Ja, und wie schon im letzten Jahr begonnen, möchten wir auch dieses Jahr jeweils zwei Kategorien voran stellen, unserem Gespräch.

00:04:05: Das ist das Stoßgebet und das Halleluja.

00:04:08: und Stefan, wenn das okay ist für dich, dann werde ich mal mit einem Stoßgebet beginnen.

00:04:15: Stoßgebet.

00:04:19: Das ist jetzt ganz unerwartet, das von dir das Stoß gewählt hat.

00:04:23: Ja,

00:04:23: ich hab auch schon ganz viele Hallelujas gehabt.

00:04:26: Aber diese Woche musste ich mich doch über Gebühr aufregen.

00:04:31: Und zwar über den Grünabfall oder die Regelung des Grünabfalls.

00:04:36: Ah, den Grünabfall.

00:04:38: Ich dachte schon, du erzählst jetzt was über die Mikrowelle bei der EKS.

00:04:41: Ja, das wär ... Stimmt, das könnte ich mir für nächste Woche aufsparen.

00:04:46: Genau.

00:04:46: Geräte, die nicht funktionieren oder ... extra so design sind, dass man daran scheitert.

00:04:52: Das kann mich auch ganz in Wallungen bringen, aber was mich auch aufregt.

00:04:56: Ja, also man kann sagen, der Vorteil dieser Mikrowelle ist, du bist noch nicht mal zwei Wochen hier und alle kennen schon deinen Namen.

00:05:04: Ja, super, super genau.

00:05:05: Ich habe mich da schon ein erstes Mal von der cholerischen Seite gezeigt, in dem ich vor der nicht funktionierenden Mikrowelle einen kleinen Ausraster hatte, während der Rest der Mitarbeitenden die Mittagspause genossen hat.

00:05:21: Aber das war eigentlich eben nicht mein Stoßgebet, sondern ich habe mich Anfang des Jahres extrem genervt, dass ich jetzt seit sechs Jahren in Liestal wohne und seit sechs Jahren diesen Abfallkalender, also wo steht, wann diese Sonderabfälle entsorgt werden können, Karton, Papier und so weiter, dass ich diesen Kalender in meinen elektronischen Kalender übertrage, weil das als ausgedruckt im Briefkasten erscheint.

00:05:55: Und ich habe gedacht, es wäre doch nicht so schwierig, einen Kalender auf der Website zur Verfügung zu stellen, den man runter lädt und in seine Agenda elektronisch integrieren könnte.

00:06:08: Und das hat mich schon abgenerft.

00:06:12: Und da habe ich sogar ein Brief geschrieben an die Stadtverwaltung.

00:06:17: Ja, also ein Brief,

00:06:18: den du ausgedruckt

00:06:19: und verschickt hast?

00:06:19: Nein, nein, nein.

00:06:20: Ich habe eine Nachricht quasi.

00:06:22: Ich habe eine Mail geschrieben an die Stadtverwalte.

00:06:24: Es wäre lustig

00:06:24: gewesen, wenn du per Brief gefordert hättest, dass man die Agenda synchronisieren kann.

00:06:30: Ja, genau.

00:06:31: Genau, zu geil.

00:06:32: Nein, ich hab an die Stadtverwaltung geschrieben und gesagt, ob sie denn niemanden bei sich hätten, der von IT genug versteht, um in einer halben Stunde diesen Kalender zu erstellen und Tausenden von Bürgern dieser Stadt und Bürgerinnen die Arbeit zu ersparen, diese Termine einzeln in den elektronischen Kalender einzutragen.

00:06:57: Ja, und genau, jetzt habe ich aber lange ausgeholt, weil über den Grünabfuhr musste ich mich auch noch nerven, weil man da eine Etikette bestellen muss, um in diesem Jahr den Biomüll entsorgen zu können.

00:07:14: Und ich habe gesehen, man kann die Online bestellen und ich habe die Montag bestellt.

00:07:18: Montagmorgens um sechs Uhr und dann hieß es, das wird geliefert bis Dienstag um dreizehn Uhr.

00:07:25: Und am Mittwoch ist Grünabfuhr und das hätte super gereicht und ich habe das bestellt.

00:07:31: Und auf der Bestellung stand nochmal Lieferung Dienstag, dreizehn Uhr.

00:07:36: Ja, Mittwochabend, Grünabfuhr war längst vorbei.

00:07:40: Wir sitzen immer noch auf unserem Biomüll.

00:07:42: Und diese Etikette, diese Abfallmarke ist immer noch nicht gekommen.

00:07:47: Und dann habe ich ihnen geschrieben.

00:07:49: Und dann haben die das dann per Velo-Kurier, also Fahrrad-Kurier, haben die das am Donnerstag ausgeliefert.

00:07:56: Aber ich habe gedacht, na ja, ihr müsst mir ja nicht versprechen, dass ihr das bis Dienstag liefert.

00:08:01: Hättet ihr geschrieben, liefert Zeit ein bis drei Werktage, dann hätte ich nicht erwartet, dass das am Mittwoch kommt.

00:08:07: Dann hätte ich es nämlich selber in der Stadtverwaltung gekauft.

00:08:11: Aber so ... Na ja.

00:08:13: Manu, erklär noch ganz kurz, was ist das Biomüll?

00:08:18: Also es ist nicht das, was man auf den Kompost schmeißt.

00:08:22: Ja doch, natürlich.

00:08:23: Also ich hab jetzt gedacht, du fragst ironisch, weil ihr den Biomüll einfach im Normalabfall entsorgt.

00:08:29: Aber das sind ja quasi so Obstabfälle und solche Geschichten, Eierschalen und solche Sachen.

00:08:36: Ah, da gibt's selber bei uns den Kompost.

00:08:39: Ja?

00:08:39: Habt ihr das nicht im Garten?

00:08:41: Du hast ja einen Riesengarten.

00:08:43: Ja, das stimmt.

00:08:44: Aber meine Frau will das nicht, weil der stinkt meistens der Kompost.

00:08:47: Deshalb entsorgen wir das dann.

00:08:50: Ja, und du?

00:08:51: Dein Halleluja, Stefan.

00:08:59: Ja, also mein Halleluja hat jetzt irgendwie gar nicht viel mit guten Vorsätzen zu tun.

00:09:05: Es war diese Woche, also muss vielleicht der Transparenzhalber sagen, wir nehmen am Freitag auf, weil wir es einfach nicht schaffen werden am Montag.

00:09:14: irgendwie ein Zeitfenster zu finden.

00:09:16: Deswegen, wir sitzen also am Freitag zusammen neben diese Folge auf.

00:09:20: Und gestern Abend hatte ich ganz unverhofft, plötzlich einen freien Abend zusammen mit meiner Frau und haben gesagt, komm, wir setzen uns ins Parterre, unsere Lieblingsbar und trinken da ein Bier gemeinsam.

00:09:33: Und es war dann so schön, praktisch die ganze Freitagsstammrunde.

00:09:38: Er ist einfach völlig unerwartet auch an diesem Donnerstag aufgetaucht.

00:09:43: Und wir hatten so eine richtig nette Runde und alle waren ganz froh, dass wir uns schon am Donnerstag sehen und ja nur einen Tag dauert, bis wir wieder zusammensitzen werden.

00:09:54: Das war wirklich so ein Gefühl von, ah, ich bin irgendwie angekommen und zu Hause da, wo ich lebe.

00:09:59: Ich kann quasi wie bei How I Met Your Mother mich einfach in die Bar setzen und meine Freunde kommen.

00:10:06: Weil daran war ich immer so ein bisschen neidisch bei How I Met Your Mother.

00:10:10: dass die sich da einfach hinsetzen können und schwupps die Wupps, da sitzt plötzlich der ganze Freundeskreis da und etwa so ging's mir gestern.

00:10:18: Also nichts mit Ride January, aber einer hat gefehlt in dieser Freitagsrunde oder nicht?

00:10:24: Habt ihr niemanden vermisst?

00:10:26: Ich weiß nicht.

00:10:27: Ah, David.

00:10:28: Nein, David musste noch arbeiten, ja.

00:10:31: Was ein Arsch bist du auch.

00:10:37: Ja, ich bin ganz nervös geworden.

00:10:38: Als ihr im Chat geschrieben habt, hab ich gedacht, nee, ich kann heute nicht.

00:10:42: Irgendwann schreibt jemand, es ist ja gar nicht Freitag.

00:10:45: Ja, stimmt, die Glühen schon Donnerstag-Nachmittags vor.

00:10:49: Genau.

00:10:52: Gut, also, wir kommen zum ... Thema der Woche.

00:11:02: Ich habe es schon angekündigt.

00:11:03: Es geht um Neujahrsvorsätze, um unsere Jahres- und Lebensziele.

00:11:09: Und die Frage, wer will ich eigentlich sein?

00:11:13: Und wie komme ich da hin?

00:11:15: Und das ist ein Thema, das ich irgendwie schon ein bisschen mit dir verbinde, Stefan.

00:11:20: Und zwar einfach, weil ich weiß, du hast eine ganz bewundernswerte Hartnäckigkeit, wenn du dir etwas vornimmst.

00:11:29: Und wenn du findest, es wäre an der Zeit, einmal einen Marathon zu laufen, dann trainierst du Eisern und verzichtest auf alles Mögliche.

00:11:40: um dieses Ziel zu erreichen.

00:11:42: Und dann gibt es eigentlich nicht viel, dass dich wirklich davon abhalten kann.

00:11:48: Und das habe ich eigentlich auch immer bewundert, dass du dir und auch deiner Willenskraft irgendwie wahnsinnig viel zuzutrauen scheinst und dir das dann vornimmst und das einfach durchziehst, auch wenn du teilweise dein Umfeld wirklich auch brutal abnervst.

00:12:06: damit, also mit deinen ... Ich weiß ja noch, als du irgendwie, was hast du da einmal, diese Keto, nee, was war das, als du keine Kohlenhydrate gegessen hast und so, und dann musst du ... Ja, da ... Ach, und das ... Ja, oder diese ganzen ... eben diese ganzen Joggingrunden und so, alle haben die Augen verdreht, aber der Stefan hat es durchgezogen und am Schluss bist du deinen Marathon gelaufen.

00:12:28: Also, von daher, was hast du dir denn für dieses Jahr so vorgenommen, Stefan?

00:12:34: Also, kein solches Ziel, kann ich schon mal sagen.

00:12:37: Und ... Vielleicht hilft es schon erstmal zu unterscheiden, was ich eigentlich meinte, als ich dir ja vorgeschlagen habe.

00:12:44: Wir sollten mal so über die Neujahrsvorsätze sprechen unbedingt.

00:12:49: Du warst ja zunächst gar nicht so begeistert.

00:12:51: Aber ich glaube eben, dass solche Ziele wie ich laufe einen Marathon oder ich schaffe zehn Klimtüge oder irgendwie so was, das sind so Ziele, die finde ich eigentlich nicht unbedingt wahnsinnig schwierig.

00:13:06: Das finde ich gar nicht so kompliziert, weil da kannst du quasi sagen, ich muss das und das zu diesem Zeitpunkt erreichen und danach ist es auch wieder fertig.

00:13:16: Es ist so ein bisschen wie ein Spiel, das einen Anfang hat und einen Abschluss.

00:13:20: Ja.

00:13:20: Und ein bisschen, finde ich, ist das wie diese Dry-Genery-Sache.

00:13:24: Also man sagt einfach, ja, jetzt auf ich im ganzen Monat nichts, dann habe ich mir mal wieder bewiesen, dass ich kein Alkoholiker bin und der Rest des Jahres läuft dann, oder?

00:13:35: Ja.

00:13:35: Und ich glaube, das ist so dieses Denken in so kurzfristigen Zielen und Peaks, die man... relativ leicht realisieren kann, wenn man irgendwie merkt, dass man Fortschritte macht und sich dem Ziel nähert.

00:13:50: Ja,

00:13:50: ja, ja.

00:13:52: Aber das, was ich eigentlich meinte, ist mir aufgefallen.

00:13:55: Es war in der ersten oder zweiten Januarwoche, habe ich eine Podcast-Folge gehört von Hotel Marzim.

00:14:02: Und der spricht da mit Chi Heng Chi.

00:14:04: Das ist Ein Shaolin-Meister, Leiter des Shaolin Temple Europe in Otterberg, also in Deutschland.

00:14:14: Und mich hat jetzt gar nicht so sehr dieser Shaolin-Mönche interessiert, sondern dieses Insistieren von Marze auf diesem Thema, das er immer wieder gesagt hat.

00:14:25: Ah, ist doch schon krass.

00:14:26: Im Januar wissen wir alle, wie das Leben eigentlich geht, was man tun sollte.

00:14:31: dass wir uns mehr Zeit nehmen sollten für uns selbst, dass wir die Gesundheit priorisieren sollten, dass wir achtsamer mit uns und unseren Familien etc.

00:14:42: umgehen könnten.

00:14:43: Und Schwups die Wups im Februar ist dieses ganze Ding wieder weg, aber eigentlich im Januar wissen wir es.

00:14:51: Und das fand ich so tollen Aufhänger, weil es da ... eigentlich nicht, weil es so um ein Spiel geht, wo man sagt, das beginnt Anfang Januar und endet im April quasi, sondern das wäre ja eigentlich etwas, was tiefe Sehnsüchte und Wünsche zum Ausdruck bringt, wie wir eigentlich leben möchten.

00:15:11: Und das finde ich so spannend, dass dass es diese Einsichten immer wieder gibt und die unterscheiden sich auch gar nicht so krass voneinander, was Menschen da sagen würden, was toll wäre, was ein gutes Leben wäre.

00:15:24: Damit meine ich jetzt aber wirklich diese großen Themen, nicht diese kurzfristigen Ziele.

00:15:28: Ich glaube, da unterscheidet es sich gar nicht so krass.

00:15:31: Und trotzdem ist ja schon verrückt, dass wir dann eigentlich Dezember und Januar für Dezember und Januar immer wieder das Gefühl haben, dass da irgendwie doch nicht, dass umgesetzt worden ist, was wir uns eigentlich vorgenommen haben.

00:15:47: Ja, ja, ja.

00:15:48: Also mir kommt hier natürlich klassisch dieser, wie sagt man dem, der Knowledge Action Gap.

00:15:54: in den Sinn, von dem man ja auch spricht, zum Beispiel im Blick auf Klimabewusstsein, ökologisches Bewusstsein.

00:16:01: Die Leute wissen, womit man die Umwelt belastet und worauf man eigentlich verzichten sollte oder was man sich eigentlich, was man reduzieren sollte und so.

00:16:11: Das weiß jeder und das weiß du im Februar genauso wie im Januar.

00:16:15: Aber du gibst dann einfach irgendwie auf diesem Wissen entsprechend zu handeln, genauso wie du weißt.

00:16:23: Weißt, es würde mir gut tun, dreimal die Woche Sport zu machen.

00:16:28: Und das weißt du im Februar auch noch genauso, wie du es im Januar weißt.

00:16:32: Nur tust du es einfach nicht mehr, weil ... whatever.

00:16:36: Weil vieles dazwischenkommt, weil es dann doch zu viel Überwindung kostet.

00:16:40: Und you name it, also ...

00:16:43: Ja, und ich glaube, deswegen ist der Januar wirklich interessant.

00:16:46: Natürlich könnte man das jeden Tag und jeden Monat machen und sich da neu orientieren.

00:16:53: Aber irgendwie scheint doch jeder Januar so ein bisschen so zu sein, als wäre es ein Neuanfang, wo man die Chance hat, das wirklich nochmal neu zu ordnen.

00:17:02: Und ich glaube, das, was du jetzt angesprochen hast, dieser Knowledge-Action-Gap, das ist eigentlich schon eine erste ganz spannende Beobachtung.

00:17:10: Das wahrscheinlich unser Problem, nämlich nicht in einem fehlenden Wissen besteht, sondern eher in einer fehlenden Praxis.

00:17:19: Also, dass es nicht so ist, dass deine Laufkarriere nicht in Gang kommt, weil du das Buch, wie werde ich ein guter Läufer, nicht du Ende gelesen hast, sondern weil du einfach schlicht nicht laufen gehst.

00:17:32: Ja.

00:17:33: Ja, das heißt aber auch, das Wissen an sich hat nicht oder meist oder oft nicht die Kraft, das Handeln wirklich nachhaltig zu prägen.

00:17:44: Das Wissen ist schon wichtig.

00:17:46: Also ich sag mal, wenn du Wenn du nicht weißt, dass Rauchen schädlich ist, dann hast du ja auch keinen Grund, damit aufzuhören.

00:17:53: Wenn es dir Spaß macht oder so, dann ... Ja, lange Zeit wusste man das nicht.

00:17:58: Vor hundert Jahren war das noch nicht allgemein bekannt.

00:18:01: Und da hat man fröhlich drauf losgeraucht.

00:18:04: Und da hat sich keiner vorgenommen, mit Rauchen aufzuhören, es sei denn, es hätte ihn zu viel Geld gekostet, weil ... weil das Wissen nicht vorhanden war.

00:18:12: Aber alleine zu wissen, dass es schädlich ist, reicht bei den Allermeisten ja nicht aus, eine solche Gewohnheit einzustellen.

00:18:22: Ja.

00:18:24: Das merkst du, es gibt ja zu allem meterweise Ratgeber.

00:18:29: Also die Leute, die abnehmen wollen, haben meterweise Ratgeber und die, die an Muskelmasse zulegen wollen, die, die sich spirituell selbst finden wollen, die, die ihr persönliches Schutz hier finden wollen im Universum.

00:18:43: Also alle diese Ratgeber.

00:18:45: scheint ja nicht dazu zu führen, dass wir sagen, ah, wow, wir sind irgendwie so selbststrichbewusst, wie wir das noch nie waren und sind irgendwie am Steuer unseres Lebens.

00:18:57: Irgendwie bleiben wir da ja oft erstaunlich unbewegt.

00:19:01: Und ich glaube, das knüpft in einer gewissen Weise ein bisschen an die Diskussion an, die wir letzte Woche hatten bei Ausgeglaubt.

00:19:09: Da haben wir darüber diskutiert, ist das Evangelium eigentlich primär eine Botschaft oder ist das primär eine Praxis?

00:19:16: Das haben wir da diskutiert und vielleicht ist das so ein Stück weit eine Hunei-Frage.

00:19:21: Aber ich glaube, es ist schon noch spannend, weil ich an mir selbst immer wieder merke, dass ich mich halt mit dem Informationsteil auch wahnsinnig gut vom Handlungsteil ablenken kann.

00:19:37: Wenn ich Stunden auf dem Sofa verbringe, zu recherchieren, was jetzt der ideale Laufplan wäre, bin ich halt immer noch kein Meter gelaufen.

00:19:44: Aber es fühlt sich nicht so scheiße an, oder?

00:19:47: Und ich

00:19:47: glaube, manchmal ist das eben auch bei diesen spirituellen Themen was ganz Ähnliches.

00:19:52: Also ich würde immer noch sagen, dass ich wahnsinnig dankbar bin für die Möglichkeit, die ich hatte, Theologie zu studieren.

00:19:59: Und das immer noch interessant finde.

00:20:01: Aber das sind die wirklich wichtigen Dinge.

00:20:03: Also wo ich denke, ja, wenn ich mal auf dem Sterbebett liege, um mein Leben Revue passieren lasse, mir eigentlich nicht passiert sind, während ich Bücher gelesen habe, sondern eher in den Zeiten, wo ich zum Beispiel gebeten, geschwiegen, meditiert habe, wo ich wirklich etwas wahrgenommen habe, was um mich herum war, wo es mit etwas Praktischem verbunden war.

00:20:29: Ja, ja.

00:20:31: Und da haben wir Ja, auch ein bisschen, ja, nicht gestritten, aber uns ein bisschen auseinandergesetzt letzte Woche, weil ich nicht so schnell bereit war, diesen Kognitiven oder diesen Wissensteil irgendwie einfach hinten anzustellen.

00:20:45: Und wir haben ja diskutiert über dieses Beispiel der nächsten Liebe so.

00:20:50: Und da würde ich halt... Ja, da will ich halt beides sagen wollen.

00:20:55: Also ich denke auch, dass jemand, der sich professionell als Theologin, als Philosophin mit Nächstenliebe befasst hat und alles gelesen hat, was über Liebe, Empathie und so weiter je geschrieben wurde.

00:21:10: dass die Person vielleicht wahnsinnig viel weiß, dass ich aber deswegen noch keineswegs erwarten würde, dass es sich hier um eine besonders liebevolle Person handelt.

00:21:21: Oder dass ich denke, ja, die hat sich ihr Leben lang mit Nächstenliebe befasst.

00:21:26: Der würde ich meine Kinder anvertrauen, wenn wir als Eltern einmal sterben oder irgendwie so.

00:21:31: Also weißt du, das wäre ja für mich dann noch kein Ausweis.

00:21:35: Da gäbe es andere, die vielleicht noch nie ein Buch über Liebe gelesen.

00:21:39: haben, aber denen ich meine Kinder sehr viel viel lieber anvertrauen würde.

00:21:46: Man kann das ja bei großen gesellschaftlichen Fragen aber auch bei ganz persönlichen Themen mal so ausziehen.

00:21:52: Also ich würde sagen, die große theologisch ethische Wende in der Beurteilung von gleichgeschlechtlichen Paaren ist ja nicht dadurch gekommen, dass man irgendwie an den Universitäten einen ganz neuen Hermeneutikkniff gefunden hat.

00:22:09: sondern dass immer wie mehr Menschen den Mut fanden, dazu zu stehen, dass sie so empfinden, in solchen Beziehungen leben wollen und das geäußert haben, so dass andere Erfahrungen machen konnten und sagen konnten, wow, aber den kenn ich doch, das kann man doch nicht alles einfach in die Tonne treten, das ist doch ein berechtigtes Bedürfnis.

00:22:29: Das hat Menschen berührt und zum Umdenken geführt, würde ich sagen.

00:22:32: Also es war wirklich etwas ganz Praktisches, etwas, das sie erfahren haben.

00:22:37: Und so glaube ich, geht es eigentlich auch bei uns selbst individuell oft.

00:22:41: Also wenn ich mir überlege, woher habe ich die Gewissheit, dass Gott mich liebt und mich trägt, dann hat das wenig damit zu tun, dass ich in meinem Studium immer wieder die Rechtfertigungs- und die Erwälungslehre gelernt habe bei allen möglichen verschiedenen Theologen und Theologinnen, sondern es hat ganz viel damit zu tun, dass ich gelernt habe zu beten, still zu sein und zu merken, dass da etwas ist, was mich trägt.

00:23:07: Also diese Praxis war für mich selbst dann viel entscheidender und ich will das gar nicht ausspielen gegen das, was man wissen kann oder gegen das, wie man Sprache findet, um das zu ordnen, was man da erfährt.

00:23:22: Also ich will nicht sagen, das ist komplett egal.

00:23:25: Aber ich glaube, dass es erst wichtig wird, über die Rechtfertigungslehre zu sprechen, wenn man überhaupt die Erfahrung hat, gehalten und getragen zu sein.

00:23:35: Sonst ist es was völlig Abstraktes.

00:23:38: Und so, glaube ich, geht es eigentlich auch bei allen sozialethischen Themen, bei allen dogmatischen Themen.

00:23:45: Diese Fragen sind eigentlich so lange egal, wie sie nichts mit dir zu tun haben.

00:23:52: Ja, und ich denke jetzt noch ein bisschen an den Motiven herum, die einem dazu bringen, sich Vorsätze zu nehmen, sein Leben zu verändern, weil das für mich auch damit zu tun hat, welche Erfolgsaussichten das dann auch hat und wie gesund eine solche Gewohnheit auch sein kann.

00:24:19: Also weißt du, wenn ... Wenn man sich vornimmt, Sport zu machen, weil man sich irgendwie hässlich findet und seinem Körper abstoßen findet oder sich irgendwie nicht annehmen kann, so wie man ist, dann kann das zwar durchaus ein starker Motivator sein, Aber der Vorsatz oder die Zielvorstellung kommt aus einem Defizit, kommt aus einem schlechten Gewissen oder sogar aus einer Frustration über sich selbst.

00:24:54: Und ich habe dann immer ein bisschen die Befürchtung, dass das entweder nicht der Nachhalt, das nachhaltigste Motiv ist oder die nachhaltigste Triebfeder zur Veränderung und auch nicht die die Gesundeste.

00:25:07: Also und das gibt es ja auch bei geistigen oder spirituellen zielen.

00:25:12: Also wenn ich bin ja aufgewachsen in einem hochreligiösen Umfeld, da hat man natürlich ganz viele Dinge sich vorgenommen, auch gewohnheiten, geistliche Gewohnheiten, die stille Zeit jeden Tag ein Kapitel in der Bibel lesen, eine Viertelstunde beten, eine Gebetsliste erstellen, der man entlang betet und so weiter.

00:25:32: Und da wurde teilweise auch ganz viel Druck gemacht, damit mit unterschiedlichsten Argumenten, du wirst doch Gott freut sich, wenn du das tust, Gott ist traurig, wenn du nicht in der Bibel liest.

00:25:45: Du wirst gesegnet, wenn du diese Gewohnheit einübst.

00:25:48: Und wenn nicht, dann musst du dich nicht wundern, wenn dir etwas passiert oder was auch immer.

00:25:53: Oder du könntest vom Glauben abfallen, wenn du nicht regelmäßig in deiner Bibel liest.

00:25:58: Und so.

00:25:59: Und dann, das sind alle so negative, defizitäre Motivatoren, die teilweise sogar aus der Angst herauskommen.

00:26:07: Und die jetzt zumindest in meinem Beispiel ein ... nicht immer zum Scheitern verurteilt waren.

00:26:12: Ich habe erst dann es geschafft, regelmäßig, und das habe ich dann aber auch wirklich in einer exzessiven Weise auch getan, eine Zeit lang regelmäßig zu beten.

00:26:23: Zum Beispiel, da habe ich als Jugendlicher teilweise den Wecker auf vier Uhr dreißig oder so gestellt, um zwei Stunden zu beten.

00:26:31: Aber das habe ich eigentlich erst gemacht in einer Zeit, in der irgendetwas mich angerührt hat von außen, in der ich irgendwie eine das Gefühl gehabt hat, da gibt es einen Gott, der wartet darauf, mit mir zu kommunizieren.

00:26:46: Und ich will den nicht verpassen, ich will quasi eintreten in diesen offenen Gesprächsraum mit Gott so.

00:26:54: Und das war eine positive Mehrheit, würde ich sagen, eine positive Motivation.

00:26:59: Ja, das kann ich super gut verstehen.

00:27:01: Ich glaube, das ist wirklich die große Frage.

00:27:04: Geht es letztendlich um ... eine Defiziterfahrung, die wir irgendwie ausbügeln müssen.

00:27:12: Oder geht es um befreiende Selbstwerksamkeitserfahrungen.

00:27:17: Und Genuss auch in einem weiten Sinn.

00:27:19: Also sage ich quasi, ah, der Fettsack läuft endlich.

00:27:22: Vielleicht ist er danach kein so schlimmer Fettsack mehr.

00:27:26: Oder sage ich, ich nehme mir Zeit für mich.

00:27:30: Und ich genieße das.

00:27:31: Und es ist doch cool, dass ich jetzt laufen gehen kann.

00:27:36: Und mache dann die Erfahrung, dass es immer wie besser geht.

00:27:41: Dass es immer wie mehr Spaß macht.

00:27:43: Dann ist das eine sehr schöne Erfahrung.

00:27:45: Genau gleich in diesem Beispiel, was du jetzt genommen hast, mit spiritueller Übung quasi.

00:27:51: Kann ich sagen, ja, der Sünder betet wenigstens.

00:27:55: Wenigstens betet dieser Sünder.

00:27:58: Oder er ist in der Bibel.

00:28:00: Und das ist natürlich schrecklich, wenn das zum Selbstbild wird, oder?

00:28:05: Aber wenn ich sage, ich als Kind Gottes höre, wie Gott zu mir spricht, ich höre ihm zu und ich kann ihm antworten oder ich kann mit Gott sprechen, dann ist das etwas Wunderschönes.

00:28:19: Und ich glaube aber, dass sich da auch dieses Thema nochmal zeigt, weißt du, mit diesen kursfristigen Zielen.

00:28:28: Wenn du das Bild hast von dir, dass du ein Zünder bist, der jetzt beten muss, dann hast du letztendlich eigentlich so, wie das Ziel zu sagen, habe ich meine Tagesration an Gebeten geschafft, habe ich das erreicht.

00:28:42: Und sonst muss ich halt dann morgen den Wecker auf vier Uhr dreißig stellen, oder?

00:28:46: Und du kannst immer mehr machen und die Ziele müssen immer strenger und höher und besser werden.

00:28:54: Wenn du aber sagst, ich bin ein Kind Gottes und es ist mir wichtig, dass ich mir Zeit dafür nehmen kann, dass Gott zu mir spricht und ich Gott zuhören kann und ich auch zu Gott sprechen kann, dann sind das eigentlich keine Ziele, die man sich fasst, sondern es sind Rhythmen, es sind Gewohnheiten.

00:29:12: Es ist etwas, was in den Alltag übergeht.

00:29:15: Und ich glaube, dass man das wirklich

00:29:18: auf spirituelle, aber auch

00:29:19: auf nicht spirituelle Felder wunderbar übertragen kann.

00:29:22: Also Leute, die ins Gym rennen, weil sie das Gefühl haben, dass sie jemand anders werden müssen, weil sie so nicht bleiben dürfen, wie sie sind.

00:29:31: Ich glaube nicht, dass die das lange aushalten.

00:29:33: Das ist so furchtbar, weil du ja eigentlich in einem ständigen Kampf gegen dich selbst bist.

00:29:38: Und bei diesen spirituellen Übungen bist du eigentlich in einem ständigen Kampf gegen Gott und dich selbst, wenn du das als solche Ziele verstehst.

00:29:46: Wenn es etwas ist, was in einen Rhythmus übergeht, wie Zähne putzen oder den Morgen Kaffee trinken, dann ist es wahrscheinlich etwas sehr Gesundes und Schönes.

00:29:58: Ja, ich glaube, das ist ein gutes Stichwort dieses Rhythmisierte, dieses mehr auf eine... Gewohnheit abheben als auf ein Leistungsziel.

00:30:10: Natürlich eben, also das kann man sich ja auch, man kann sich vornehmen, ich will in einem Jahr einen Marathon rennen und dann darauf hintrennieren und so.

00:30:19: Aber bei den Gewohnheiten geht es ja dann nicht so sehr darum, da will ich in zwei Jahren sein, sondern es geht eigentlich dann viel mehr um die Frage, Was für ein Mensch möchte ich eigentlich sein?

00:30:33: Also quasi ich möchte ein Mensch sein, um jetzt dieses spirituelle Beispiel wieder aufzugreifen, ich möchte ein Mensch sein, der in Verbindung steht mit etwas Größerem, der irgendwie seine Gottesbeziehung lebt oder der immer wieder über sich hinausblickt auf das, dem er sich verdankt und so.

00:30:58: Und dass ich möchte eine solche Person sein, die in dieser Resonanz lebt.

00:31:02: Oder ich möchte eine Person sein, die sich nicht von den Zwängen des Alltags und der Arbeit so aufreiben lässt, dass sie ihren Körper vernachlässigt und sich selber nicht mehr ernst nimmt, sondern jemand, der auch quasi in die Sonne schaut und den Wind spürt beim Radfahren oder beim Joggen oder irgendwie.

00:31:23: So eine Person möchte ich sein, weißt du?

00:31:25: Also das verbinde ich jetzt mit den Gewohnheiten stärker.

00:31:32: Ja und ich glaube, man kann auch Ziele erreichen durch Gewohnheiten.

00:31:37: Also wenn man sich zur Gewohnheit macht, dass man gerne läuft, dann kann es gut passieren, dass man eines Tages das Ziel hat, den Marathon zu laufen und dann kommt das total generisch aus dem selbst heraus und es passt dann zu einem.

00:31:53: Und das ist aber was ganz anderes, als wenn man sagt, eigentlich finde ich mich voll scheiße, aber wenn ich dieses Ziel erreiche, kann ich mich akzeptieren.

00:32:01: Und ich glaube, ganz ähnlich ist das mit dem Spiritualitätsthema.

00:32:04: Wenn ich da aus einem Defizit komme und sage, also erst mal muss ich anerkennen, dass ich Gott überhaupt nicht gefalle und der überhaupt keinen Grund hat, mich lieb zu haben, aber ich habe jetzt hier eine Checkliste mit zwanzig spirituellen Tasks, die ich erfüllen muss und dann finde ich Akzeptanz.

00:32:20: Ich glaube, dann führt das nur weiter weg von Gott und von dir selbst.

00:32:24: Das sind Dinge, die nie glücklich machen.

00:32:27: Und ich glaube aber, ich sage das so ganz bewusst auch mit dieser Sportmetapher, dass es quasi um Übung und Training geht bei ganz vielem, was wir oft so verkopft und geistig machen.

00:32:39: Also Vergebung zum Beispiel.

00:32:42: Das muss man üben.

00:32:43: Vertrauen ist etwas, das muss man üben.

00:32:46: Großzügigkeit ist etwas, das musst du trainieren.

00:32:49: Und das heißt, du musst es wiederholen, du musst Geduld haben, du wirst scheitern und du versuchst es wieder und wieder und wieder.

00:32:56: Aber nicht, weil du aus dem Defizit raus musst, sondern weil du ein Zielbild hast, von dir selbst, wo du sagst, ey, das wünsche ich mir eigentlich für mich.

00:33:06: Mhm.

00:33:07: Ja.

00:33:08: Ja.

00:33:09: Ja, ich finde das spannend, was du jetzt gesagt hast, auch mit diesem ... Äh, mit dieser Frage nehme ich mir etwas vor, weil ich mit mir selbst nicht versöhnt bin.

00:33:23: Weil ich mich eigentlich selbst ablehne, so wie ich bin.

00:33:26: Und ich glaube, es gibt da wahrscheinlich, gibt es verschiedene Ebenen.

00:33:29: Es gibt schon eine, finde ich, einen berechtigten Sinn, in dem man sagen kann, ich bin jetzt damit einfach nicht zufrieden.

00:33:37: Aber wenn man auf einer existenziellen Ebene quasi sich selbst ablehnt und deshalb ins Gym geht und deshalb sich stellt oder was auch immer.

00:33:47: Dann hab ich das Gefühl, dann wird man, das wird ein bisschen ähnlich sich dann anfühlen, wie wenn Leute denken, ich muss das noch erreichen.

00:33:58: Ich muss quasi, wenn ich dann mal ein eigenes Haus habe und wenn ich mal dieses Auto fahren kann und wenn ich mal diese Frau erobern kann oder so.

00:34:06: Und dann oft ist ja die Erfahrung, das Nächste stellt sich sofort ein, was man noch erreichen kann.

00:34:13: muss und es ist eigentlich nie genug.

00:34:15: Und ich habe schon auch das Gefühl, wenn man aus einer existenziellen Selbstablenung heraus jetzt irgendwie seinen von mir aus sich körperlich fit macht, dann wird man zwar ein Erfolgserlebnis haben, das einem vielleicht auch mehr Selbstbewusstsein gibt und so, aber ob man sich dann wirklich zutiefst annehmen kann, weil man jetzt dieses körperlich sportliche Ziel erreicht hat, das würde ich... eher bezweifeln.

00:34:44: Ich glaube, die gesundere Versuchsanordnung wäre eigentlich, dass man existenziell irgendwie versöhnt ist mit sich oder sich sogar angenommen weiß von einem Gott, der mir nicht vorhält, wenn ich ein paar Kilogramm zu viel auf die Waage kriege oder ein paar Glas Bier zu viel trinke am Wochenende oder so, der mir das nicht vorhält.

00:35:08: aber der mich vielleicht sogar dazu antreiben kann oder dazu ermächtigen kann, mir den Mut geben kann, noch eine Veränderung anzustreben oder so, weißt du?

00:35:22: Ja, und ich glaube, das hat ganz viel damit zu tun, was Religion und Spiritualität so gut leisten können.

00:35:29: Nämlich so Räume für Fantasie zu öffnen.

00:35:32: Also

00:35:33: sehr oft im Alltag sind wir einfach, was wir sind.

00:35:37: Wir sind quasi das Ergebnis von unseren Gewohnheiten, von dem, was wir immer getan haben.

00:35:41: Weil mir ist zum Beispiel ein Riesenthema im Moment, dass ich wirklich.

00:35:45: eigentlich habe ich immer das Gefühl, dass ich das im Griff habe, aber es stimmt nicht, dass ich jeden Morgen einfach zuerst mal Social Media checke.

00:35:53: Und das dauert jedes Mal länger, als ich eigentlich möchte.

00:35:56: Und

00:35:57: ich will diese Gewohnheit durch eine andere Gewohnheit ersetzen.

00:36:02: Und zwar nicht, weil ich es irgendwie moralisch verwerflich finde, mir Reels anzuschauen.

00:36:07: Darum geht es wirklich nicht, sondern einfach, weil ich denke, das ist... ein so scheiß Start in den Tag, das hab ich eigentlich nicht verdient, oder?

00:36:17: Also es kommt eigentlich daher, dass ich denke, nein, eigentlich ... ja, möchte ich etwas Besseres haben an dieser Stelle.

00:36:26: Ja.

00:36:26: Und ich glaub halt, das ist ... aber alles auf der Basis, dass ich mich selbst mag und mich besser um mich kümmern möchte.

00:36:34: Mhm.

00:36:34: Es hat mal so eine Influenz, denn ich hab leider den Namen vergessen und ich hab den Post auch nicht begefunden, aber die hat was ... Mega krass gesagt, die war man eher mollig und hat dann ganz, ganz stark abgenommen und hat sich gesagt, ja, auf diesem Foto links war ich hässlich und fett und auf diesem Foto rechts war ich hässlich, aber nicht mehr fett.

00:36:58: Und das Klasse war, durch diese ganze Transformation hat sich nichts an ihrem Selbstbild wirklich geändert.

00:37:04: Also sie hat sich nicht lieber bekommen, es ging ja nicht besser.

00:37:08: Und ich glaube, das ist sehr oft so, wenn wir denken, dass wir uns besser akzeptieren können, dadurch, dass wir kurzfristige Ziele erreichen.

00:37:18: Also es kann enorm prägend sein, einen Marathon zu laufen oder auf einen Viertausender Berg zu steigen oder einen Triathlon zu absolvieren.

00:37:25: Das will ich alles gar nicht in Abrede stellen.

00:37:28: Aber ich glaube, wenn man das macht, um sich von einem Selbsthass oder einer Wahrnehmung, dass man defizitär ist zu heilen, dann wird es nie reichen.

00:37:38: Das wird nie zu Glück führen, oder?

00:37:41: Ja, ja.

00:37:43: Und genau gleich, glaube ich, ist es bei diesen ganzen spirituellen Themen.

00:37:48: Also, solange ich so lebe, dass ich mich frage, wie Luther, wie kriege ich einen gnädigen Gott, bin ich eh schon einfach im Defizit, habe ich eh schon ein Riesenproblem.

00:38:01: Erst wenn das Ganze umstellt und ich denke, was für ein gnädiger Gott, dass er mir diese Welt quasi zu Füßen legt, wenn man so will.

00:38:11: Dass ich einfach in den Wald raus kann und das genießen darf, dass so viele gute, liebe Menschen um mich herum sind, etc.

00:38:18: Also sobald diese Wahrnehmung einsetzt, passiert etwas ganz anderes, glaube

00:38:22: ich.

00:38:23: Ja, ich finde, das ist eine spannende Dynamik.

00:38:26: Und mir kommt jetzt zu deinem Beispiel, kommt mir das Beispiel von der Sofia Thiel in den Sinn.

00:38:32: Das ist eine deutsche Fitness-Influencerin, die anderthalb Millionen Follower hat auf Insta und auf YouTube Video so halt so diese fitness diese fünfzehn minuten apps fitness fünfzehn minuten whatever so diese zu hundert tausend geguckt.

00:38:53: und Die hat als junge, ganz junge Frau oder als Jugendlicher, hat die sich als Bodybuilderin gestellt und hat irgendwie Bodybuilding-Meisterschaften, sogar an Weltmeisterschaften teilgenommen.

00:39:07: Da war kein Gramm Fett, die hat sich gequält.

00:39:11: Die war als Kind, glaube ich, auch immer so pummelig.

00:39:14: Und die hat sich das bewiesen, dass sie irgendwie mit achtzehn oder zwanzig an den, in den Absolut, in der Top... Bodybuilder, Bildnerinnen, Klasse mitgehen konnte und diese Contest gewonnen hat und so.

00:39:29: Und ist dann eben als Fitnessinfluencering groß geworden.

00:39:32: Und dann gab's die, die hat, glaub ich, ist ein Jahr oder so, ist die von der Bildfläche verschwunden, hatte Depressionen und alles Mögliche.

00:39:40: Und hat auch deutlich zugenommen und hat jetzt quasi, das war, ich hab das irgendwie am Rande mitgekriegt und bin ja dann in den Medien wieder ... begegnet, als sie wieder an die Öffentlichkeit gegangen ist und gesagt hat, ich habe es geschafft, einen solchen Körper zu haben und das dieses Bild nach außen zu geben, aber der Preis, den ich dafür bezahlt habe, war so extrem hoch und ich bin von der Veranlagung her, bin ich einfach nicht jemand, der so dünn, der gesund ist.

00:40:14: so dünn sein kann.

00:40:16: Und jetzt ist sie quasi, würde man sagen, nicht der normschöne, superschlanke Körper, den sie zur Schau stellt, sondern sie macht jetzt weiter als Fitnessinfluencerin mit einem, mit ein paar Kilometer auf der Waage, aber ist sich wohl in ihrer Haut.

00:40:35: Und ich finde, dass ... Weißt du, was du gesagt hast, dass man sich dann auch ... dass man sich dann auch annehmen kann mit Dingen, die jetzt nicht den gesellschaftlichen Erwartungen in jedem Punkt entsprechen und dass man sich dann auch nicht zu Tode optimiert und das Gefühl hat, ich muss jetzt körperlich oder auch intellektuell oder wie auch immer, ich muss mich jetzt diesen gesellschaftlichen Erwartungen einfach beugen und das unbedingt erreichen, damit ich damit machen kann.

00:41:09: Ich finde, da die Rechtfertigung oder Evangelium hat auch die Qualität, dass man sagen kann, ja, ich versöhne mich jetzt auch mit mir, ohne ständig an meiner Grundeinstellung noch rumwirkeln zu wollen.

00:41:26: So.

00:41:26: Ja.

00:41:27: Ja, aber ich zögere so ein bisschen, weil ich finde manchmal ist das dann auch so ein Lamento, dass man sagt, wir müssen gar nicht immer besser werden, wir müssen gar nicht immer uns steigern und dieser ganze blöde Selbstoptimierungswahn und lasst uns alle Body Positivity machen.

00:41:45: Und ehrlich gesagt, oft kaufe ich das einfach nicht ab.

00:41:49: Oft glaube ich es halt dann nicht.

00:41:52: Denke ich, ja ... Ich weiß nicht, wie glücklich du wirklich bist damit.

00:41:56: Du meinst, es kann zum Vorwand werden, nicht einfach zu arbeiten oder so, oder?

00:42:02: Ja, und ich mein, zum Vorwand werden deswegen, weil man sich gar nicht zutraut, das zu tun.

00:42:09: Weil man vielleicht ... gescheitert ist, weil man so extrem gemacht hat, dass man nicht mehr die Kraft hat, das in einem normalen Maß zu tun, was einem gut tun würde.

00:42:19: Und ich denke mir hat immer so.

00:42:21: meine Testfrage ist, würde ich das, was ich jetzt tue, auch dann tun, wenn ich der letzte Mensch wäre, der lebt?

00:42:31: Wenn ich ins Gym gehe und ich frage mich, würde ich da jetzt auch hingehen, wenn mich niemand mehr sehen würde, der auch ein Mensch ist?

00:42:41: Würde ich es dann tun oder nicht?

00:42:43: Und wenn ich das sagen kann, ja, natürlich würde ich das tun, weil ich es ja für mich mache, weil es mir gut tut.

00:42:49: Ja.

00:42:49: Dann finde ich, ist das etwas sehr, sehr Gutes.

00:42:52: oder Tennisspielen zum Beispiel, finde ich jetzt genau so was.

00:42:55: Oder Laufen gehen.

00:42:57: Das sind ja Dinge, die machst du gar nicht für andere, sondern das machst du ja für dich im Idealfall.

00:43:06: Ja.

00:43:07: Der andere Fall ist, dass du es eigentlich überhaupt nicht für dich machst.

00:43:10: Und dass es eigentlich gar nichts direkt mit dir zu tun hat, sondern nur mit diesem Wunsch anderen zu gefallen oder in eine Norm zu passen, wo du andere wenigstens nicht störst oder nicht auffällst.

00:43:24: Und ich glaube ... Das sind dann letztendlich immer Vorsätze und Ziele, die keine Kraft haben, weil du mit diesen Vorsätzen und Zielen schlicht nicht verbunden bist.

00:43:34: Du kannst nicht verbunden sein mit etwas, was du nicht für dich tun würdest.

00:43:40: Ja, das hat auch ein bisschen mit einer Unterscheidung zwischen so intrinsischen und extrinsischen Motivatoren zu tun oder mit der Frage, dein Gedankenexperiment hebt ja darauf ab, wenn ich der letzte Mensch auf dieser Welt wäre, würde ich dann immer noch... würde ich dann immer noch leiden unter dieser Eigenschaft oder Gewohnheit.

00:44:04: Oder leide ich eigentlich nur, weil ich gewissen sozialen Erwartungen nicht entspreche oder so oder gewissen Bildern, die gesellschaftlich mir auferlegt werden.

00:44:16: Und das sind eigentlich schlechte Motivatoren für eine nachhaltige Veränderung.

00:44:24: Also ich finde das eine gute ... ein gutes Unterscheidungskriterium, weil es ja nicht so einfach ist zu sagen.

00:44:33: Weißt du, Charaktereigenschaften zum Beispiel, da gibt es ja, wenn ich zum Beispiel eine sehr, sehr schlechte Impulskontrolle hätte, das ist jetzt ein völlig aus der Luft gegriffenes Beispiel so, aber hätten das jetzt...

00:44:49: Du müsstest Auto fahren mit einer schlechten Impulskontrolle.

00:44:52: Zum

00:44:52: Beispiel jetzt, genau.

00:44:53: Total positiv, ja.

00:44:54: Genau, gut, wenn ich dann, ich sage jetzt mal so, das ist ein schlechtes Beispiel, weil wenn ich der letzte Mensch auf der Erde wäre, würde ich mich beim Auto fahren, wahrscheinlich auch nicht mehr aufregen oder höchstens in beiden Eichen.

00:45:04: So du lässt ja

00:45:04: sowieso jeden einen Affen, der dir auf der Straße begegnet.

00:45:08: Du meinst, wenn dann die richtigen Affen auf der Straße laufen.

00:45:12: Ja gut, aber genau, wenn ich jetzt so eine Charaktereigenschaft, die ich nicht nur loswerden möchte, weil es vielleicht sozial nicht opportun ist, wenn man eine so kurze Lunte hat und immer mal wieder explodiert, sondern weil ich denke, so will ich mich mir selbst und meinen Liebsten einfach nicht zumuten, weißte.

00:45:34: Das finde ich einfach, da möchte ich dran... arbeiten.

00:45:38: Und dann gibt es aber wahrscheinlich eine Reihe von Charaktereigenschaften oder von Eigenheiten, wo ich sagen würde, ja, da kann ich mich aber auch mit versöhnen, ohne die jetzt aufbiegen und brechenlos werden zu wollen, weißt du?

00:45:52: Ja.

00:45:53: Ja, und ich meine jetzt, glaube ich, gar nicht so, dass ich sagen würde, alles, was du im sozialen spürst, ist unwichtig.

00:45:59: Also, weißt du, wenn du jetzt irgendwie merkst, dass du einfach der bist beim Mittagstisch, Über dessen Witze keiner lacht.

00:46:09: Ja.

00:46:09: Dann würde ich dir zum Beispiel nicht empfehlen zu sagen, ja, dann stell dir einfach mal vor, dass du der letzte Mensch bist, der noch lebt.

00:46:17: Stört dich das dann immer noch?

00:46:19: Das kenne ich nicht damit.

00:46:20: Weil eigentlich ziehe dich damit auf die Frage ab, was für eine Person möchte ich sein?

00:46:27: Ja, ja,

00:46:28: ja.

00:46:29: Und ich glaube auch, wenn keine Menschen mehr leben würden außer du selbst, wärst du immer noch gerne eine Person, mit der man sich gerne unterhalten würde, wenn jemand da wäre, mit dem du dich unterhalten kannst.

00:46:43: Und ich glaube zum Beispiel auch dann würdest du gerne eine Person sein, die gesund ist und der es gut geht.

00:46:50: Und ich glaube, da liegt eigentlich der Wert dieser Unterscheidung drin, dass wir uns fragen können, Ist das letztendlich ein Bild, das ich mir mache von meiner Umgebung und meinem Umfeld, was mich dazu zwingt, so oder anders zu sein?

00:47:05: Oder hat das wirklich etwas mit dem zu tun, was ich selbst möchte?

00:47:09: Das ist zum Beispiel gesagt, so will ich mich meinen Kindern und meiner Familie nicht zumuten.

00:47:14: Ja.

00:47:15: Das hat ja dann wahrscheinlich sehr viel damit zu tun, dass du dich selbst zunächst mal aus eine Zumutung erfährst.

00:47:23: Ja, ja.

00:47:24: Ja.

00:47:25: Aber du hast hier, ich will gern darauf auch noch abheben, du hast ja jetzt dieses soziale Moment angesprochen und das ist ja schon auch eine Eigenschaft solcher jetzt Neujahrsvorsätze oder Lebensziele, dass sie oft sehr sehr individualistisch funktionieren.

00:47:45: Der einzelne Gesellschaftsteilnehmer nimmt sich vor, er steht vor seinem Spiegel und nimmt sich etwas vor und spricht sich das zu und macht sich seine Pläne und kauft dann das entsprechende Buch aus dem Ratgeber, aus der Ratgeber-Literatur und so und versucht jetzt an sich rumzuwerkeln und ein neues Lebensziel zu verwirklichen.

00:48:10: Und ich finde, wenn wir diese ganze Frage nach den Vorsätzen und Lebenszielen mit dem Evangelium oder mit der Frage des Glaubens verbinden, muss man schon sagen, das ist ja auch ein Kennzeichen auch von Spiritualität und Glaube, dass eigentlich ganz vieles oder sogar alles diesen individualistischen Rahmen eigentlich übersteigt, dass es ganz oft darum geht, gemeinsam irgendwie zu wachsen, gemeinsam, gemeinsam Letztes Mal hast du von der Nachfolge gesprochen, gemeinsam unterwegs zu sein, gemeinsam Glaube zu leben, gemeinsam an seinem Scheitern zu lernen, was auch immer.

00:48:52: Aber das hat ja diese gemeinschaftliche Komponente, die bei diesen Neujahrsvorsätzen meist nicht gegeben ist.

00:49:05: Ja, ich ... Ich glaube, dass ganz viele dieser Vorsätze, die wir eigentlich meinen, wenn wir aber nicht über kurzfristige Ziele sprechen, ganz viel mit unserem Umfeld, mit dem Sozialen, das es uns umgibt, eigentlich zu tun haben.

00:49:21: Ich bin das immer wieder faszinierend.

00:49:23: Diese fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern, heißt das, glaube ich, dieses

00:49:29: Buch.

00:49:30: Ja, genau.

00:49:32: Und da ist schon ziemlich viel Soziales drin.

00:49:35: Also z.B.

00:49:35: auch in diesem Erstpunkt den Sterben der meisten Bedauern, mich wünscht, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben, ist ja ganz, ganz viel Soziales drin.

00:49:46: Also wie grenzt sich denn das ab, was mein eigenes Leben ist, oder?

00:49:50: Autorin hat es dann natürlich mit einer Generation zu tun, gerade jetzt auch mit einer weiblichen Generation, die eigentlich ständig in Rollen gepresst worden ist, der man dann gesagt hat, aber wenn das Nächste kommt, dann geht dein Leben wirklich los.

00:50:06: Also quasi dieses Aufschieben, oder?

00:50:08: Also zuerst, ja, aber wenn du dann Kinder hast und verheiratet bist, dann ist das wirklich ein Leben.

00:50:13: Ja, wenn dann die Kinder aus dem Haus sind.

00:50:16: Ja, wenn dein Mann dann endlich im Altenheim ist.

00:50:19: Ja, wenn, oder?

00:50:20: Und es ist eigentlich so ein ständiges Aufschieben von Leben und Lebensmöglichkeiten.

00:50:26: Oder das ist dann sehr oft bei den Männern so geäußert worden.

00:50:31: Ich wünschte, ich hätte nicht zu viel gearbeitet, oder?

00:50:34: Natürlich klingt das zunächst superindividualistisch, aber das hat ja alles einen größeren systemischen Zusammenhang.

00:50:40: Und ich glaube, Und das auch dort, wo wir uns wünschen, unsere Gefühle mehr ausdrücken, Freundschaften besser aufrecht zu erhalten, sich selbst zu erlauben, glücklich zu sein.

00:50:49: Also es sind so die anderen drei Punkte.

00:50:51: Dass es da eigentlich gar nicht so sehr um ein Ego-Ziel geht, sondern ganz stark darum, wer man eigentlich sein möchte.

00:51:00: Und was man vielleicht verpasst, wenn man nicht dazu steht.

00:51:03: Gerade auch in Gesellschaft nicht dazu steht, dass man eigentlich so sein möchte.

00:51:08: Na ja.

00:51:09: Ja, voll, das leuchte mir total ein.

00:51:11: Und ich glaube, das ist ja auch in der Ausführung dieser Punkte, dieser beliebtesten Sätze von Sterbenden im Blick auf ihr Leben.

00:51:24: Das ist ja da auch an vielen Stellen ausdrücklich sozial gestrickt.

00:51:28: Also, man bereut ja nicht.

00:51:31: Man sagt nicht, ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

00:51:35: Und dafür ... Keine Ahnung.

00:51:39: Mehr Zeitung gelesen?

00:51:41: Ja, genau.

00:51:42: Natürlich kann es auch sein, nicht so viel gearbeitet, um mehr mehr Zeit für die Musik oder für die Kunst genommen oder so.

00:51:48: Aber in den meisten Fällen steht dahinter ja ... Ja, auch die Reue darüber, dass man nicht mehr Zeit mit seiner Frau oder seinen Kindern verbracht hat oder dass man seine Enkel nicht hat aufwachsen sehen, weil man sich halt zu Tode geschuftet hat und so weiter.

00:52:04: Also, so dieses gemeinschaftliche ist da auch drin.

00:52:07: Aber ich finde auch, weißt du, bei der Verwirklichung von ... bei der Verwirklichung dessen, was man sein möchte, ist ja ... ist ja ... Auch das Umfeld sind ja auch Menschen involviert.

00:52:24: Also ich wäre ja auch jetzt nicht die Person, die ich bin, wenn ich nicht die Freundschaften hätte, die ich die letzten Jahre gepflegt habe.

00:52:34: Weißt du, das hat ja auch einen, und da ist man ja gemeinsam auch irgendwie in einem Veränderungsprozess, der weniger mit Selbstoptimierung zu tun hat, aber mehr damit.

00:52:48: dass man sich in einer in gesunden Beziehungen auch gesund entwickeln.

00:52:53: Ja,

00:52:54: Manu, jetzt sprichst du was an, was mich total triggelt und du hast es gar nicht selbst gemacht, also du bist nicht schuld dran.

00:53:00: Aber ich find's, ob bei diesen ganzen Self-Enhancement-Typen gibt's immer wieder diese Idee, mach ne Liste mit den fünf Personen, mit denen du am meisten Zeit verbringst.

00:53:11: Und da musst du quasi durchscannen, ob die dir gut tun, ob du dich in ihrer Gegenwart verbesserst und ob

00:53:18: du angegeben

00:53:19: wirst von ihnen oder nicht.

00:53:21: Und wenn nicht, dann wechsel sie aus, oder?

00:53:23: Ja,

00:53:23: ja.

00:53:24: Und ich glaub,

00:53:25: das ist

00:53:25: so ein Teil von einem ... von einem Geheimnis, das sich im Leben zeigt, dass man für ganz, ganz vieles, also für ganz viele Kontakte, die man hat, die einprägen.

00:53:35: Also jetzt zum Beispiel auch, wie wir beide uns kennengelernt haben, gar nicht viel dafür kann.

00:53:40: Dass es

00:53:41: eher so was ist, was sich ereignet und dann ganz vieles verändert.

00:53:45: Ich meine, jetzt stelle mir vor, du hättest zum Beispiel als wir Reformationsjubiläum in Zürich gefeiert haben, wo wir dich eingeladen haben als Vertreter der Freikirchen, oder?

00:53:57: Wenn du da jetzt gesagt hättest, oh, das ist ganz schlecht, an diesem Abend habe ich schon was vor.

00:54:02: Da kann ich leider nicht kommen.

00:54:04: Dann hätten wir uns dort nicht so kennengelernt.

00:54:06: Und ich meine, es wäre so vieles anders gelaufen seitdem.

00:54:10: In unser beidem, beider Leben.

00:54:12: Und wir hatten keine Checkliste, tut uns das gut.

00:54:15: Oder müsste ich Manu vielleicht mal ersetzen durch irgendwen oder sowas.

00:54:20: Sondern das, das ereignet sich und ist irgendwie Teil.

00:54:24: von was größerem, was man eben nicht einfach so selbst im Griff hat.

00:54:28: Und da auch noch mal jetzt die Brücke zu schlagen, zu Spiritualität und Glauben.

00:54:34: Ich glaube immer, die echte Freiheitsgeschichte, die im Evangelium begegnet, ist eben nicht die Idee, dass ich quasi in einer komplett unabhängigen Wahlfreiheit mich selbst steigere zum Übermenschen, sondern dass Freiheit dort entsteht, wo ich mich an Menschen binde, an Rituale, an Gewohnheiten, an geteilte Hoffnungen, an ... Ja, Momente, wo wir zusammensitzen, uns treffen und dass das alles größer ist und mehr ist, als ich es alleine bin.

00:55:08: Na ja.

00:55:09: Ja, sehr gut.

00:55:10: Ich find das auch eine hilfreiche Präzisierung oder die Abweisung eines Missverständnisses.

00:55:16: Ich hab das, wie du selbst sagst, natürlich ganz sicher nicht damit gemeint.

00:55:20: Ich hab sogar einen großen Abscheu oder einen Graus vor Leuten, die ihre Beziehungen so strategisch ... Das weiß ich ja.

00:55:28: Genau, so versuchen so strategisch zu managen, eben nach diesen Büchern, in denen es heißt, umgib dich mit Menschen, die dich weiterbringen und so.

00:55:38: Und ich denke, das wäre für mich auch ganz schlimm, irgendwann zu merken, dass in Freundschaften, dass quasi einer sich vorgenommen hat, ja, mit dem will ich mich umgeben, weil der mich weiterbringt.

00:55:53: Aber es gibt ja

00:55:54: wirklich solche Anleitungen auf Social

00:55:56: Media.

00:55:57: Ja, ich weiß genau, was du meinst.

00:55:59: Und das sind ja auch diejenigen, die dann sagen, Leute, die nicht Positivität ausstrahlen.

00:56:05: Das sind toxische Menschen, von denen du ... dich trennen muss.

00:56:09: Und ich denke, ja, gute Nacht, das ist aber toll, wenn dein bester Freund dann mal eine Depression hat und du ihn dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, weil er keine nicht mehr genügend Positivität ausstrahlt.

00:56:22: So, das ist ... Ja, voll

00:56:25: voll.

00:56:26: Yo, Manu, wir haben die Stunde schon fast wieder rum.

00:56:30: Ja, ja.

00:56:31: Wir

00:56:32: sollten zum

00:56:34: Armen kommen.

00:56:37: Armen.

00:56:40: Ja, ich habe kein großes Armen, aber vielleicht so, dass was mich selbst motiviert hat, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

00:56:47: Ich glaube, das wird ein Jahr, zwanzig, sechsundzwanzig, wo ich selbst keine großen Ziele habe und mir auch keine großen Beschränkungen auferlegen werde.

00:56:58: Aber neugierig darauf bin, welch... welche neuen Rituale oder Gewohnheiten sich bei mir einschleichen und welche Alten dafür Platz machen müssen.

00:57:10: Ach, sehr schön.

00:57:11: Neugierig ist ja auch ... Man kann sich ja auch vom eigenen Weg und der eigenen Veränderung mal neugierig überraschen lassen.

00:57:23: Ja, hast du ja gerade getan.

00:57:25: Du bist jetzt zwei Wochen in deinem neuen Job.

00:57:28: Normalerweise machen wir die ersten hundert Tage.

00:57:30: Wir machen jetzt die ersten zehn Tage.

00:57:33: Manu, wie war's?

00:57:35: Was erwartet dich in der nächsten Woche?

00:57:39: Was hat dich schon erfreut und was verwundert?

00:57:43: Ja, also es war steil.

00:57:46: Habe ich letztes Mal, glaube ich, auch schon gesagt, meine anfängliche Sorge oder Frage, was mache ich denn eigentlich, wenn ich da mal im Büro am Tisch sitze?

00:57:58: Kann ich mich dann, kann ich mir genügend... eigene Projekte zuchanzen, mit denen ich mich dann beschäftige.

00:58:08: Die Frage hat sich sehr schnell gedreht in ... Kein Feedcubing

00:58:11: nötig, oder?

00:58:12: Genau, genau.

00:58:14: Wie finde ich Freiräume, um noch inhaltlich konzentriert zu arbeiten, angesichts der Vielzahl an Sitzungen und Vernetzungstreffen und so weiter?

00:58:26: Aber ich bin eigentlich guten Mutes.

00:58:29: Ich hatte gestern eine ... eine ... Retrette, eine ... wie sagt man im Deutschen, eine Klausur mit meinem kleinen, aber feinen Team.

00:58:37: Und wir hatten eine super Zeit, haben uns über Vergangenheit gegenwarten und Zukunft unseres Bereichs unterhalten und abends noch fein gegessen.

00:58:47: Und ich bin also sehr, sehr beschwingt aus diesem Tag heraus.

00:58:51: Von daher ... hab ich ... bin ich gut dazufersicht.

00:58:55: Und du ... Stefan.

00:58:57: Ja, geil.

00:58:57: Nächste Woche, also wenn ihr diesen Podcast hört, eigentlich genau heute, stehen ja die ersten Ratssitzungen des Jahres wieder an.

00:59:06: Dafür haben wir viel vorbereitet.

00:59:08: Ich habe auch so ein Jahresrückblick gemacht, was ist so kommunikativ eigentlich gelaufen in den Medien.

00:59:14: Im vergangenen Jahr, was waren so die großen Themen, was hat uns beschäftigt?

00:59:19: Wir haben diese Woche auch das Treffen mit allen Kommunikationsverantwortlichen aus unseren Mitgliedkirchen in der Schweiz und werden damals schauen, welche Themen dort aktuell sind, was in diesem Jahr auf uns zukommt.

00:59:34: Und auf beides freue ich mich sehr.

00:59:37: Und ja, vielleicht fast für mich die größte persönliche Vorfreude.

00:59:43: Ich werde mir diese Woche ein Ganztag frei nehmen, um Snowboarding zu gehen.

00:59:48: Ach, sehr schön.

00:59:49: Sehr schön.

00:59:51: Ja, dann freu ich mich für dich und wir hören uns in einer Woche wieder, liebe Hörerinnen und Hörer, und hoffen sehr, dass ihr da wieder mit dabei seid und dass ihr in der Zwischenzeit eine erquickliche, inspirierende, hoffnungsvolle Woche erleben dürft.

01:00:14: Tschüss.

01:00:15: Tschüss.

01:00:18: Reflepp.

Über diesen Podcast

Was heisst das eigentlich, Christ zu sein? Woran glauben Christen und was können sie getrost aufgeben? Logisch, dass sich Manuel Schmid & Stephan Jütte dabei nicht immer einig sind. Aber sie versuchen in diesem Podcast zusammen herauszufinden, was für sie wirklich zählt und was ihnen eher im Weg steht. Und klar: Beide wissen es auch nicht wirklich. Aber vielleicht regt es dich an zum Mitdenken. Oder es regt dich auf und du magst mit ihnen streiten. Oder du schreibst ihnen einfach mal, was du nicht mehr glauben kannst oder musst oder willst.

von und mit Manuel Schmid & Stephan Jütte

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