Die Hinrichtung als Livestream – wann wird Gerechtigkeit zur Rache?
In den USA steht die verstörende Möglichkeit im Raum, dass die Öffentlichkeit einem staatlich angeordneten Tod live zuschauen kann. Doch was verrät das über unsere Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit? Und warum ist die Todesstrafe philosophisch und theologisch weit umstrittener, als man vermuten würde?
13 Menschen hat Nidal Malik Hasan 2009 bei einem Anschlag auf einen amerikanischen Militärstützpunkt getötet. Am 3. Dezember soll er dafür hingerichtet werden – möglicherweise live im Internet. Gleichzeitig überlebt die zum Tode verurteilte Christa Pike einen gescheiterten Hinrichtungsversuch. Die Todesstrafe ist zurück in den Schlagzeilen. Aber war sie je wirklich weg?
Wer glaubt, die Aufklärung habe mit der Todesstrafe längst aufgeräumt, wird überrascht sein: Während Cesare Beccaria bereits im 18. Jahrhundert ihre Abschaffung forderte, verteidigten ausgerechnet Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel die Todesstrafe – und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vorstellungen von Freiheit, Vernunft und menschlicher Verantwortung.
Stephan und Manuel fragen: Wozu bestrafen wir eigentlich? Um abzuschrecken, um Gerechtigkeit wiederherzustellen oder um unsere Rachegelüste zu befriedigen? Kann es Ausdruck menschlicher Würde sein, einen Täter mit dem Tod zu bestrafen? Und was geschieht mit einer Gesellschaft, die dabei auch noch zuschauen will?
Schliesslich wird es theologisch: Was hat ein Glaube, in dessen Zentrum die öffentliche Hinrichtung eines Unschuldigen steht, zu staatlicher Gewalt zu sagen? Und könnte christliche Gerechtigkeit gerade darin bestehen, dass selbst die schwerste Schuld nicht das letzte Wort über einen Menschen haben darf?
Eine Folge über Strafe und Vergeltung, die Zumutungen der Aufklärung und die Frage, ob Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit überhaupt gerecht sein kann.